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Schwaben+Allgäu
Nördlinger Ries
Nördlinger Ries
 
Vor 14,5 Millionen Jahren rasten 2 Asteroiden, der größere mit einem Durchmesser von 1000 Meter auf die Erde zu. Sie schlugen in das heutige schwäbisch-fränkische Grenzgebiet ein. Die Sprengwirkung des Aufschlags wird mit mehreren 100.000 Hiroshima Bomben verglichen. Sie hinterließen einen 25 km und einen 4 km nahezu kreisrunden Krater, deren Zentren heute die Städte Steinheim und Nördlingen bilden. Nach dem Einschlag wurde das Leben in dieser Gegend erst einmal für lange Zeit ausgelöscht. Danach bildete sich aber ein fruchtbarer Boden, der nach Steinzeitmenschen auch Kelten, Römer und Alemannen anzog. Eine Vielzahl von Keltenschanzen und –gräbern, römische Festungen mit dem Limes zeugen heute noch davon.
Land und Leute
Adam Ries
Wer kennt das Sprichwort „nach Adam Ries(e)“ nicht. Es leitet sich von Adam Ries (1492-1559), auch Adam Riese genannt, einem deutschen Rechenmeister ab, der durch sein Lehrbuch „Rechnung auf der Linihen und Federn“ bekannt wurde und trug mit zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache bei. Als „Vater des modernen Rechnens“ hat entscheidend dazu beigetragen, dass die römischen Zahlen durch die nach dem Stellenwertsystem strukturierten indisch-arabischen Zeichen zu ersetzen.
 
Der andere Adam war Albrecht Adam, Sohn eines Konditors, der schon früh seine Neigung zum Zeichnen erkennen ließ. Die Besetzung der freien Reichsstadt Nördlingen durch die französischen Revolutionstruppen 1800 entschied seinen späteren Lebenslauf. Der jugendliche Adam aquarellierte einen der Soldaten der Hauptwache und alle anderen mochten auch ein Bildnis von ihm. Er vervollständigte seine Zeichenkünste in München und folgte nach dem Österreichischen Angriff 1807 als Maler dem bayerischen General Froberg. Dies ist der Beginn einer langen sich durch halb Europa ziehenden Reise, bei der er viele Schlachten als Maler dokumentierte. Aus nächster Nähe beobachtet er so Napoleon beim Brand von Regensburg und folgte dessen Truppen nach der Entscheidungsschlacht 1809 in Wagram nach Wien.
 
Hier bezieht er ein Atelier in Schloss Schönbrunn. Eugene de Beauhernais, der Stiefsohn Napoleons und Vizekönig von Italien wird auf ihn aufmerksam und holt ihn an seinen luxuriösen Hof nach Mailand. Mit Beginn des Russlandfeldzugs 1812 begleitet er erneut die französische Armee und nimmt an der Schlacht bei dem Dorf Borodino teil. Wie üblich, um das Geschehen hautnah skizzieren zu können, war Adam vorne mit dabei. Da auch er eher kleinwüchsig war und auf einem Schimmel saß, glaubten die Russen Napoleon vor sich zu haben und beschossen ihn mit einer Kanonenkugel. Danach war Schluss mit Schimmelreiten. Napoleon wollte kein feldherrschaftliches Double. Wenig später rückte Napoleon in Moskau ein. Nur einen Tag nach dem Einmarsch zündeten die Russen ihre eigene Hauptstadt an. Das Feuer wütete 4 Tage und zerstörte ¾ der Stadt. Adam fühlt sich dabei an die Zeit der Kreuzzüge erinnert. Das Geschehen bewegt ihn so stark, dass er um seine Demission bat. Unter widrigsten Umständen schlug er sich die 1000 km nach Bayern durch. Protegiert von seinem früheren Dienstherren und König Ludwig I. wird er in München einer der begehrtesten Maler Bayerns.
 
So ein Spieler konnte nur im Auge des Kraters geboren werden. Gerd Müller richtete in seiner aktiven Spielerzeit in den gegnerischen Hintermannschaften soviel Verwüstung und Trauer an, wie der astrale Komet bei seinem Aufprall auf die Erde. Nach dem Tod des 1974er Weltmeisters und Stürmerstars Gerd Müller im August 2021 fand in seiner Heimatgemeinde eine Gedenkfeier mit Trauerbeflaggung statt, wahrscheinlich mit anschließender Verkostung seiner Lieblingsspeise: Kartoffelsalat pur. An einer angemessenen, dauerhaften öffentlichen Huldigung wird gearbeitet. Wie wichtig und prägend der Instinktfußballer Gerd Müller auch nach seiner aktiven Zeit noch war, skizziert ein Bonmot von Franz Beckenbauer: „Ohne die Tore von Gerd Müller würden wir (FC Bayern München) uns heute noch immer in dem Holzhäusl an der Säbener Straße umziehen“. Jahrzehntelang haben sich die Stürmerkollegen an den Rekorden von „kleines, dickes Müller“ abgearbeitet, ehe Robert Lewandowski 2021 diese egalisieren konnte. Er bleibt für jeden Fußballer/Fan unvergesslich.

Klötzenmühle © Hans-Jürgen Hereth 2023

Riegelberg © Hans-Jürgen Hereth 2023
on the road
Einer alten Reichsstadt gemäß startet die Tour auf der Kaiserwiese bzw. dem nahegelegene Bahnhof von Nördlingen. Die Altstadt wird vom Löpsinger Tor aus bis zum Berger Tor durchquert. Zeit zum entspannten Schlendern bietet sich dort nach der Tour mehr als genug.
Nach dem Tor sich Richtung B 29 und B 466 halten. Zwischen beiden Hauptstraße zweigt nach einem Knick auf Höhe des Friedhofs die Straße nach Nähermemmingen ab. Vor dem Ortseingang führt der Weg links zur Klötzenmühle und von dort als „Mühlenweg“ entlang der Eger nach Utzmemmingen. Mühlen, naturbelassene Wiesen und Bäche gibt es im ganzen Ries erstaunlich viele, auf denen sich Reiher und Störche so wohl und sicher fühlen, dass sie nicht wegfliegen, wenn man sich ihnen nähert. Von hier bis Harburg kann man sich eigentlich nicht mehr verfahren. Der Radweg auf Wirtschaftswegen ist durchgängig sehr gut ausgeschildert.
Da man sich am Rande der Abbruchkante des Kraters befindet hat man vielfach schöne Aus- und Einblicke in die Landschaft und seine Struktur. Begegnen einem in Oberbayern Kühe auf Schritt und Tritt, so sind es hier Pferde, (walisische Schwarzhals) Ziegen und Schafe, die in zum Teil großen Herden für den Erhalt der landschaftlichen Charakteristika sorgen.
Kurz nach Utzmemmingen wartet auch schon ein Zwischenstopp. Der Riegelberg mit seinem Geotop Lindle will erkundet und wo möglich auch bestiegen werden, die Ruine des römischen Gutshof besichtigt und dem Steinbruch Siegling ein Besuch abgestattet werden. Wegen der Steinstrukturen haben sich hier die amerikanischen Astronauten auf die Apollo 14 Mission vorbereitet.
 
Nach dem Überqueren der verkehrsreichen B 466 gelangt man nach Hohenaltheim mit seinem Schloß. Der Weg oberhalb der Äcker und Felder eröffnet zwar immer wieder schöne Ausblicke ins Ries, bietet aber auch olfakorische Überraschungen. Hier gibt es mehrere große Schweine- und Hühnermästereien, in denen nicht immer „glückliche“ Ferkel, wie auf einem Schild bei einem Biobauern am Weg vermerkt wird, für unsere Wurst und Grillfleisch leben. Der Ammoniakgeruch kann einen schon mal den Atem nehmen.
 
Völlig überraschend ist dann eine Begegnung der ganz anderen Art. Nicht Jürgen Drews „Bett im Kornfeld“ gibt es zu beobachten, sondern eine ausgebüxte Kuh, die sich in aller Ruhe ihren Weg durch selbiges bahnt. Der Bauer schaut durch sein Fernglas dem Treiben scheinbar gelassen zu und winkt dem erstaunten Radfahrer. Vielleicht veranstaltet diese Kuh den Ausflug öfters. Ihr Weg wies sie jedenfalls zu einer Wiese mit Longhornrindern.
 
Über Hohenaltheim führt der Weg nach Mönchsdeggingen mit seinem weithin sichtbaren Kloster, das im 10./11. JH durch das Herrscherhaus der Ottonen gegründet wurde. Doch Klosterbrüder wohnen hier nicht mehr. Nach der Säkularisation ging es in den Besitz der Fürsten von Oettingen-Wallerstein über, die dort bis 2009 den Missionaren von Mariannhill Unterschlupf gewährten. 2017 wurde das Gebäude von einem Investor in schicke Privatwohnungen umgewandelt. Um keinen Neid aufkommen zu lassen, fährt man schnell auf die Aussichtsplattform am Buchberg mit dem Geotop Kühstein und von dort über Großsorheim (Geotop Glaubenberg und der Ruine eines Römerbades) nach Harburg.

Harburg © Hans-Jürgen Hereth 2023

Rapunzel in Harburg © Hans-Jürgen Hereth 2023
Der Radweg verläuft zunächst ein Stück neben der Hauptzufahrtsstraße des Ries und ist dementsprechend laut. Das ändert sich, sobald er zur Burg abzweigt. Jetzt geht es nochmals stramm bergauf. Oben angekommen wird man von gehäkelten Gebinden überrascht, die in die Gartenzäune eingeflochten sind. Ergebnisse einer Tätigkeit von Rapunzel, die ihren Zopf in einer Burgmaueröffnung zum Hochklettern anbietet? Das Schloss selbst ist gegen Eintritt zu besichtigen. Führungen gibt es stündlich. Auch die Schloss-Schenke lädt zu einer Einkehr ein. In die historische Altstadt von Harburg geht es stramm bergabwärts. Weitere schöne Rastplätzchen finden sich am Ufer der Wörnitz, die von einer breiten Steinbrücke überspannt wird und Gelegenheit für Paddeltouren bietet.

Wemding Altstadt © Hans-Jürgen Hereth 2023

Wemding Maria Brünnlein © Hans-Jürgen Hereth 2023
Der Weg nach Wemding ist so gut ausgeschildert wie bisher, führt ein Stück noch an der Wörnitz entlang, bis er bei einem Schotterwerk zu einem ebensolchen Weg wird, der bergan und –auf führt. Zumindest abwärts heisst es aufmerksam zu sein, um beim Bremsen nicht wegzurutschen. Bis Gosheim geht das so. Hier wartet ein weiteres Geotop. Leider ist dann die Beschilderung am Kalvarienberg bzw. den Kapellen zur Passion Christi nach Wemding nicht mehr so eindeutig. Im Zweifelsfall fährt man eben die paar Kilometer auf der Landstraße bis Wemding. Hier lädt ein Kunstmuseum und ein schöner Marktplatz in der Altstadt innerhalb der ummauerten Altstadt zu einer weiteren Rast mit Blick auf Ludwigs- oder Kapuzinergraben ein. Gasthäuser, Cafes und Bäckereien gibt es hier zuhauf, wie auch einige der Häuser Aufschriften und Ermahnungen aufweisen: „wer nicht geschunden ward/ward nicht erzogen“. Gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Durch das Stadttor geht es auf der Oettinger Straße zur barocken Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein mit schönem Blick über das Ries.
 
Wieder zurück an der Infostelle Geopark Ries verläuft der ausgeschilderte Weg der östlichen Ries-Runde über Wildbad und Rudelstetten nach Alerheim und Deinigen, dem rechnerischen Einschlagszentrum des Ries Asteroiden, bis nach Nördlingen. Auf dieser Wegstrecke ist der Weg auf Wirtschaftswegen zumeist bretteleben.

Nördlingen Gasthaus Walfisch © Hans-Jürgen Hereth 2023

Nördlingen Teppichlüften © Hans-Jürgen Hereth 2023
Eine gut ausgeschilderte Orientierungshilfe in Nördlingen ist die Kaiserwiese. Von hier aus bzw. dem Löpsinger oder Deininger Tor kann man mit der Erkundung der Altstadt beginnen. Eine markante, sichtbare Hilfe ist der Turm der St. Georgs Kirche am Marktplatz. Hier und in der Eisengasse finden sich unzählige Restaurationsbetriebe, die zur Einkehr einladen. Erstaunlicherweise gibt es neben der Judengasse auch eine Henkergasse. Dieses wenig angesehene „Handwerk“ der Schinder war sonst eigentlich außerhalb der Stadtmauern untergebracht. In der Hallgasse befindet sich der Gasthof zum Walfisch, der zu Zeiten der Reichstage von einem großen vollplastischen Walfisch geschmückt war. Heute lädt das etwas schmuddelig wirkende Gasthaus eher nicht zur Einkehr ein, ebenso wenig wie das schräg gegenüber am Obstmarkt liegende Lokal, das seine „Perserteppiche“ zum Lüften auf dem Platz ausgelegt hat. Dennoch ist Nördlingen das quirlige Zentrum des Ries und wird gerne von Busunternehmen und Individualtouristen angefahren, im Gegensatz wohl zu den anderen Orten im Ries, mit Ausnahme von Harburg.
Eine gut ausgeschilderte Orientierungshilfe in Nördlingen ist die Kaiserwiese. Von hier aus bzw. dem Löpsinger oder Deininger Tor kann man mit der Erkundung der Altstadt beginnen. Markante sichtbare Hilfe ist der Turm der St. Georgs Kirche am Marktplatz. Hier und in der Eisengasse finden sich unzählige Restaurationsbetriebe, die zur Einkehr einladen. Erstaunlicherweise gibt es neben der Judengasse auch eine Henkergasse. Dieses wenig angesehene „Handwerk“ der Schinder war sonst eigentlich eher außerhalb der Stadtmauern untergebracht. In der Hallgasse befindet sich der Gasthof zum Walfisch, der zu Zeiten der Reichstage von einem großen vollplastischen Walfisch geschmückt war. Heute lädt das etwas schmuddelig wirkende Gasthaus eher nicht zur Einkehr ein, ebenso wenig wie das schräg gegenüber am Obstmarkt liegende Lokal, das seine „Perserteppiche“ zum Lüften auf dem Platz ausgelegt hat. Dennoch ist Nördlingen das quirlige Zentrum des Ries und wird gerne von Busunternehmen und Individualtouristen angefahren, im Gegensatz wohl zu den anderen Orten im Ries, mit Ausnahme von Harburg.

Öttingen Schloss © Hans-Jürgen Hereth 2023

Öttingen Kreuzigung © Hans-Jürgen Hereth 2023
Fährt man die östliche Ries-Runde von Wemding aus weiter, gelangt man zu den Herrschaftszentren außerhalb der Reichsstadt, zu den Schlösser und Orten der Fürsten von Oettingen-Oettingen und Oettingen-Wallerstein. Oettingen hat ein mächtiges Schloss und eine hübsche Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern, wirkt aber ebenso leblos wie viele der anderen Orte im Ries. Vor seinen Toren erwartet einen quasi als Memento mori eine überlebensgroße Kreuzigungsgruppe. Wer wohl als lokales Panoramaweg Inn-Salzachorbild für diese Verbrechervisagen und den Jesus gedient haben mag?

Wallenstein Tordurchfahrt © Hans-Jürgen Hereth 2023
Bei Munningen gibt es eine weitere Niederlassdung (Kastell) der Römer zu besichtigen. Über Dettendorf geht es weiter nach Heuberg, wo zwischen den Feldern eine Gedenktafel an den ehemaligen Flugplatz und das dortige Vertriebenlager erinnert. Auf Wirtschaftswegen und Nebenstraßen führt der Weg über Maihingen (Geotop Klosterberg und Museum KulturLand Ries, das sich der Alltagskultur in Ries widmet) nach Markt Wallerstein. So prächtig wie das Residenzschloss der zu Oettingen-Oettingen ist das dortige Schloss bei weitem nicht. Innerhalb der weiten Burgmauer ist die Brauerei untergebracht und die Häuser und Wirtschaftsgebäude erwecken nicht unbedingt einen einladenden Eindruck. Durch ein Tor kann man auf eigene Gefahr den Burgberg mit seiner Ruine besteigen oder eben auch nicht.
 
 
Sehenswürdigkeiten: RiesKraterMuseum  Nördlingen, Altstadt Nördlingen, Harburg, Geotop Lindle, Utzmemmingen
Einkehrmöglichkeiten: Cafe Wemding, Schloss-Schenke  Harburg,  SAMOCCA, Cafe und Kaffeerösterei, Nördlingen, Sterneessen im Wirtshaus Mayers Keller Nördlingen